SPD fordert Social-Media-Verbot unter 14 Jahren
SPD fordert Social-Media-Verbot unter 14 Jahren, Foto: Pixabay / Lizenz: Pixabay

Mehrere westliche Staaten haben in den vergangenen Monaten Altersgrenzen für soziale Netzwerke eingeführt. Australien, Großbritannien, Dänemark und Frankreich beschlossen entsprechende Maßnahmen. Nun liegt auch in Deutschland ein konkreter politischer Vorstoß vor. Die SPD hat ein Impulspapier veröffentlicht, das strenge Regeln für Minderjährige vorsieht. Die Partei fordert ein Social-Media-Verbot für Kinder unter 14 Jahren sowie eine verpflichtende Altersverifikation für alle Nutzerinnen und Nutzer. Anbieter sollen verpflichtet werden, den Zugang technisch wirksam zu unterbinden. Bei Verstößen sieht das Papier sofortige Anordnungen, empfindliche Sanktionen und im äußersten Fall temporäre Einschränkungen oder Netzsperren vor. Bereits die Diskussion um ein Handyverbot in Berlin vs Brandenburg zeigte, wie kontrovers digitale Regeln für Minderjährige bewertet werden.

Inhaltsverzeichnis

Lars Klingbeil und das SPD-Impulspapier

Das neue Konzept unterscheidet 3 Altersgruppen. Für unter 14-Jährige gilt ein vollständiges Verbot. Für Jugendliche unter 16 Jahren ist eine spezielle Jugendversion der Plattformen vorgesehen. Diese Version soll ohne suchtverstärkende Funktionen auskommen.

Konkret nennt das Papier folgende Punkte

  • kein Endlos-Scrollen
  • kein automatisches Abspielen von Inhalten
  • keine Anreizsysteme für intensive Nutzung
  • keine algorithmisch gesteuerten Feeds
  • keine personalisierte Ausspielung von Inhalten

Jugendliche unter 16 Jahren sollen nur über die „EUDI-Wallet“-App ihrer Erziehungsberechtigten Zugang zu Plattformen wie Instagram erhalten. Die EU Digital Identity Wallet speichert digitale Dokumente wie Personalausweis oder Führerschein. Weitere Informationen zur europäischen digitalen Identität bietet die Europäische Kommission unter https://commission.europa.eu/strategy-and-policy/priorities-2019-2024/europe-fit-digital-age/european-digital-identity_de.

Auch für Personen ab 16 Jahren sieht das Papier Änderungen vor. Diskutiert werden eine verpflichtende Verifizierung sowie standardmäßig deaktivierte Empfehlungssysteme. SPD-Vorsitzender und Vizekanzler erklärte im „Spiegel“, klare Regeln und Einschränkungen seien unausweichlich. Studien zur intensiven Nutzung zeigen, dass Jugendliche teils sieben Stunden am Bildschirm täglich verbringen.

Zugang zu Plattformen für unter 16-Jährige nur über die EUDI-Wallet der Eltern
Zugang zu Plattformen für unter 16-Jährige nur über die EUDI-Wallet der Eltern, Foto: Pixabay / Lizenz: Pixabay

Stefanie Hubig und das Verbot unter 14 Jahren

Bundesjustizministerin und Mitunterzeichnerin des Positionspapiers, verteidigt die Initiative. Gegenüber der „Rheinischen Post“ betont sie, dass die Nutzung von Onlinediensten Kindern und Jugendlichen schaden könne. Deshalb brauche es klare rechtliche Leitplanken.

Hubig unterstreicht, dass es sich nicht um ein pauschales Totalverbot, sondern um eine altersgestufte, differenzierte Regelung handelt. Ziel sei es, Teilhabe zu ermöglichen und gleichzeitig entwicklungsbedingte Schutzbedürfnisse zu berücksichtigen. Sie verweist zudem auf manipulative Designs vieler Plattformen. Glücksspielelemente könnten Nutzerinnen und Nutzer abhängig machen. Hinweise auf Risiken wie Cybergrooming bei Jugendlichen verstärken die politische Debatte.

Die Ministerin weist darauf hin, dass viele junge Menschen selbst eine Belastung durch ständige Online-Verfügbarkeit schildern. Verbindliche Regeln seien notwendig, um Kinder zu schützen. Dazu zählen Maßnahmen gegen Cybermobbing und gegen permanentes Vergleichen in sozialen Netzwerken.

Julia Becker, Daniel Günther und Franziska Brantner zur Altersgrenze

Die Debatte reicht über die SPD hinaus. Mehrere Persönlichkeiten aus Politik und Medien unterstützen eine Altersgrenze. Dazu zählen die FUNKE-Verlegerin sowie, Ministerpräsident von Schleswig-Holstein. Auch Familienministerin spricht sich für entsprechende Regelungen aus.

Zudem befürwortet, Bundesvorsitzende der Grünen, eine Altersgrenze für soziale Medien. Damit erhält der Vorstoß parteiübergreifende Unterstützung. Die Diskussion über verbindliche Altersbeschränkungen gewinnt damit an Dynamik.

Mehrere Länder haben bereits konkrete Schritte umgesetzt. Deutschland steht nun vor einer ähnlichen Entscheidung. Das SPD-Papier markiert einen formellen Beginn dieser politischen Auseinandersetzung.

FAQ

Was fordert die SPD im Hinblick auf soziale Medien?

Die SPD fordert ein Social-Media-Verbot für Kinder unter 14 Jahren sowie eine verpflichtende Altersverifikation für alle Nutzerinnen und Nutzer.

Welche Altersgruppen unterscheidet das SPD-Impulspapier?

Das Papier unterscheidet drei Gruppen: Kinder unter 14 Jahren mit vollständigem Verbot, Jugendliche unter 16 Jahren mit einer Jugendversion der Plattformen und Nutzerinnen und Nutzer ab 16 Jahren mit angepassten Regeln.

Was ist die geplante Jugendversion der Plattformen?

Die Jugendversion soll ohne Endlos-Scrollen, automatisches Abspielen von Inhalten, Anreizsysteme für intensive Nutzung sowie ohne algorithmisch gesteuerte und personalisierte Feeds funktionieren.

Wie soll der Zugang für unter 16-Jährige geregelt werden?

Jugendliche unter 16 Jahren sollen ausschließlich über die EUDI-Wallet-App ihrer Erziehungsberechtigten Zugang zu Plattformen wie Instagram erhalten.

Welche Rolle spielt Stefanie Hubig in der Debatte?

Bundesjustizministerin Stefanie Hubig hat das Positionspapier unterzeichnet und verteidigt eine altersgestufte, differenzierte Regelung mit klaren rechtlichen Leitplanken.

Wer unterstützt neben der SPD eine Altersgrenze?

Unterstützung kommt unter anderem von Julia Becker, Daniel Günther, Karin Prien sowie von Franziska Brantner, die sich ebenfalls für eine Altersgrenze in sozialen Medien aussprechen.

Quelle: BERLINER MORGENPOST, MILEKCORP