Russisch endet in Lübbenau
Russisch endet in Lübbenau, pixabay/Foto illustrativ

Immer weniger Schulen in Brandenburg bieten Russischunterricht an. Am Gymnasium in Lübbenau wird das Fach nach den Sommerferien komplett gestrichen. Der Rückgang betrifft nicht nur einzelne Regionen, sondern zeigt sich deutlich im gesamten Bundesland. Dabei war Russisch einst ein fester Bestandteil des schulischen Alltags in Ostdeutschland.

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Paul-Fahlisch-Gymnasium in Lübbenau streicht Russisch

Am Paul-Fahlisch-Gymnasium in Lübbenau (Oberspreewald-Lausitz) fällt Russisch ab dem neuen Schuljahr aus dem Lehrplan. Der letzte verbleibende Lehrer für dieses Fach geht zum Halbjahr in den Ruhestand. Ersatz konnte nicht gefunden werden. Damit endet der Russischunterricht an dieser Schule vollständig.

Schulleiter Matthias Lösche betont, dass der Rückzug sich bereits länger abgezeichnet habe. Die meisten Russischlehrkräfte stammen aus der ehemaligen DDR und gehen inzwischen in den Ruhestand. Ein Ersatz durch neue Fachkräfte ist nicht gelungen, auch weil qualifiziertes Personal fehlt.

Lehrermangel und sinkendes Interesse

Nicht nur das Fehlen von Lehrkräften führt zur Einstellung des Russischunterrichts. Auch das Interesse der Schüler hat stark nachgelassen. Als Russisch ab der 7. Klasse angeboten wurde, kam kaum eine vollständige Klasse zusammen. Dies führte letztlich zur Entscheidung, das Fach zu streichen.

Der Schulleiter nennt neben Russisch nun nur noch Französisch und Latein als zweite Fremdsprache am Gymnasium. Andere Sprachen wie Spanisch oder Italienisch wären wünschenswert. Doch auch hier fehlt es an verfügbarem Personal.

Rückgang in ganz Brandenburg

Die Entwicklung in Lübbenau ist kein Einzelfall. Vor 20 Jahren wurde Russisch noch an 87 Prozent der Gymnasien in Brandenburg unterrichtet – heute sind es nur noch 33 Prozent. An Oberschulen liegt der Anteil bei etwa 50 Prozent.

Im bundesweiten Vergleich ist die Zahl der Schüler, die Russisch lernen, um 83 Prozent gesunken. Im Schuljahr 1992/93 waren es noch rund 565.000, 2020/21 nur noch 94.000. Der Unterricht konzentriert sich dabei weiterhin auf Ostdeutschland. 70 Prozent der Lernenden kommen aus diesen Bundesländern, obwohl sie nur 19 Prozent der Schülerschaft in Deutschland stellen.

Ersatz durch Quereinsteiger bleibt Einzelfall

An manchen Schulen in Brandenburg wird versucht, den Ausfall durch ukrainische Quereinsteiger zu kompensieren. Sie unterrichten teilweise Russisch. Für das Gymnasium in Lübbenau war dies keine Option, so der Schulleiter. Die Strukturen ließen eine solche Lösung dort nicht zu.

Insgesamt zeigt sich ein klarer Trend: Russisch verliert als Fremdsprache an Bedeutung. Gründe sind fehlendes Personal, geringes Schülerinteresse und der allgemeine Wandel im Fremdsprachenangebot. Während Englisch, Französisch und Spanisch zunehmen, verschwindet Russisch schrittweise aus den Klassenzimmern.

Quelle: RBB24