Der Aufenthalt im Gerichtssaal ist für Minderjährige oft eine enorme Belastung. Sie stehen fremden Erwachsenen gegenüber. Sie beantworten Fragen. Sie erleben Unsicherheit. Bundesjustizministerin Stefanie Hubig will deshalb den Schutz von Kindern als Zeugen an deutschen Gerichten deutlich verbessern. Beim Besuch eines kindgerechten Vernehmungszimmers im Amtsgericht Potsdam verwies sie auf Studien, die bei Kindern durch Vernehmungen Retraumatisierungen nachgewiesen haben.
Inhaltsverzeichnis
- Stefanie Hubig und Amtsgericht Potsdam
- Benjamin Grimm und Brandenburg
- Technik im Vernehmungsraum Potsdam
- Kinderschutzbund und bundesweite Zusammenarbeit
Stefanie Hubig und Amtsgericht Potsdam
Hubig erklärte, Kinder erlebten vor Gericht häufig eine Situation absoluter Hilflosigkeit. Viele seien extrem eingeschüchtert. Im Saal sähen sie zahlreiche Personen in schwarzen Roben. Diese fragten nach den Personalien.
Untersuchungen zeigen, dass Vernehmungen bei Kindern zu Retraumatisierungen geführt haben. Deshalb werde eine Umgebung benötigt, in der sie möglichst entspannt aussagen können. Die Ministerin betonte, Zeugen dürften nicht zu einem Objekt werden. Die Justiz müsse ein menschliches Gesicht zeigen.
Während ihrer Tätigkeit als Straf- und Zivilrichterin am Landgericht Ingolstadt um die Jahrtausendwende sei der schonende Umgang mit jungen Zeugen noch kein zentrales Thema gewesen. Damals habe unter Juristen die Auffassung vorgeherrscht, man brauche den Zeugen vor Gericht. Heute werde stärker auf die Opfer geschaut. Weitere Entwicklungen im Bildungsbereich finden sich hier.
Benjamin Grimm und Brandenburg
Benjamin Grimm lud Hubig nach Potsdam ein. Er sprach von einem sichtbaren Wandel im Justizwesen. Die Bedürfnisse der Opfer würden ernster genommen. Für viele leitende Justizbeamte sei das Thema eine Herzensangelegenheit.
In Brandenburg sollen weitere kindgerechte Vernehmungsräume entstehen. Der nächste Standort ist in Frankfurt (Oder) geplant. Die Einrichtung eines solchen Raumes kostet laut Ministerium rund 40.000 Euro.
Im Oktober 2024 fand im Potsdamer Raum die erste Kindervernehmung statt. Seitdem wurde er etwa 30 Mal genutzt. Die Aussagen werden per Video aufgezeichnet. Diese Aufnahmen dienen später in der Hauptverhandlung als Beweismittel. Im Zusammenhang mit gerichtlichen Entscheidungen wurde auch über das Gerichtsurteil in Pankow berichtet.
Technik im Vernehmungsraum Potsdam
Der Raum ist mit mehreren Kameras ausgestattet. Eine Deckenkamera erfasst Zeichnungen, die das Kind anfertigt. Einige Kuscheltiere liegen bereit. Es ist jedoch kein Spielzimmer. Zu viel Spielzeug könne ablenken, erklärte eine anwesende Ermittlungsrichterin.
Die Vernehmung erfolgt im Ermittlungsverfahren. Staatsanwaltschaft und Verteidigung reichen ihre Fragen vorab per E-Mail ein. Die Ermittlungsrichterin stellt sie dem Kind. So wird verhindert, dass das Kind dem Beschuldigten direkt begegnet oder im Gerichtssaal aussagen muss. Das Video wird später auch dem Angeklagten zugänglich gemacht.
Informationen zu weiteren Familienthemen sind mehr hier abrufbar.
Kinderschutzbund und bundesweite Zusammenarbeit
Der Deutsche Kinderschutzbund bewertet die Vernehmungszimmer als wichtigen ersten Schritt. Eine Sprecherin erklärte, eine weniger formelle Umgebung könne Kinder deutlich entlasten.
Sie verwies jedoch auf zusätzliche Anforderungen. Notwendig seien gut geschulte Richterinnen und Richter sowie weitere Verfahrensbeteiligte, die Belastungssituationen von Kindern verstehen. Ebenso brauche es eine funktionierende interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Krankenhäusern und der Jugendhilfe.
Nach Einschätzung des Verbandes besteht bundesweit noch Ausbaubedarf. Ziel bleibt ein Verfahren, das die Schuldfrage klärt und zugleich die besonderen Bedürfnisse junger Zeugen berücksichtigt.
FAQ
Warum sollen kindgerechte Vernehmungszimmer eingerichtet werden?
Sie sollen Kinder vor zusätzlicher Belastung schützen und Retraumatisierungen vermeiden.
Wie hoch sind die Kosten für einen solchen Raum?
Die Einrichtung kostet nach Angaben des Ministeriums rund 40.000 Euro.
Wie oft wurde der Raum in Potsdam bisher genutzt?
Seit Oktober 2024 wurde er etwa 30 Mal für Kindervernehmungen verwendet.
Quelle: TAGESSPIEGEL, MILEKCORP