Übung macht den Meister – das gilt auch für junge Berlinerinnen und Berliner auf zwei Rädern. Doch seit Dezember bleiben die Tore der Jugendverkehrsschulen (JVS) im Bezirk Steglitz-Zehlendorf am Nachmittag geschlossen. Für zahlreiche Grundschulkinder bedeutet das eine unerwartete Unterbrechung ihrer Radfahr-Ausbildung. Die Maßnahme trifft Familien, Lehrkräfte und Schüler hart. Besonders betroffen sind Dritt- und Viertklässler, die sich auf den Fahrradführerschein vorbereiten. Während der Unterricht am Vormittag weiterläuft, entfällt das freiwillige Nachmittagsangebot. Eltern befürchten, dass weniger Kinder ausreichend sicher auf Berlins Straßen unterwegs sein werden.
Inhaltsverzeichnis:
- Fehlendes Personal im Bezirk Steglitz-Zehlendorf
- Vergleich mit anderen Berliner Bezirken
- Unterschiede in Kosten und Besucherzahlen
- Bedeutung der Verkehrserziehung für Berliner Kinder
Fehlendes Personal im Bezirk Steglitz-Zehlendorf
Das Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf bestätigte, dass der Nachmittagsbetrieb der Jugendverkehrsschulen ab Januar 2026 vorerst ausgesetzt wird. Laut Mareike Hoeppner, Referentin für Bildung, Kultur und Sport, bleibe der Vormittagsbetrieb für Schulklassen bestehen. Der Grund für die Einschränkung ist der Personalmangel.
Zurzeit bemüht sich der Bezirk, wenigstens einen Standort – entweder an der Albrechtstraße 42 oder am Brittendorfer Weg 16a – ab Januar wieder in Teilbetrieb zu nehmen. Ab Februar 2026 sollen die Übungsplätze vollständig öffnen. Die beiden Einrichtungen wurden 2025 von insgesamt 22.124 Personen besucht, darunter auch Erwachsene, die dort das Radfahren trainierten.
Für das Jahr 2025 stellt das Bezirksamt rund 60.000 Euro für den Betrieb der Verkehrsschulen bereit. Diese Mittel decken sowohl Sachkosten als auch laufende Betriebsausgaben ab. Weitere Bildungsinitiativen in Berlin, etwa im Zusammenhang mit der Digitalisierung der Schulen, werden parallel fortgesetzt – mehr dazu hier.
Vergleich mit anderen Berliner Bezirken
Auch in anderen Bezirken Berlins zeigt sich ein unterschiedliches Bild.
- In Treptow-Köpenick kostet der Betrieb der Jugendverkehrsschule inklusive Umlagen rund 248.000 Euro. 2024 besuchten 11.400 Personen die Einrichtung.
- In Lichtenberg nehmen im Schuljahr 2025/26 etwa 3.400 Schüler an der Radfahrausbildung teil. Die Finanzierung bleibt über die Jahre 2026/27 gesichert.
- In Marzahn-Hellersdorf existieren eine Jugendverkehrsschule und ein Jugendverkehrsgarten. Für technische Instandhaltung und Verkehrserziehung sind pro Jahr jeweils 25.000 Euro vorgesehen.
In Spandau gibt es zwei Standorte, die zwischen Januar und August 2025 rund 13.500 Besucher verzeichneten. Der Bezirk stellte 36.000 Euro für neue Fahrräder, Unterrichtsmaterial und Möbel bereit. Das Personal wird über freie Träger und das Jobcenter finanziert. Weitere Informationen über Bildungsprojekte in Spandau finden sich unter mehr hier.
Unterschiede in Kosten und Besucherzahlen
Reinickendorf betreibt zwei Verkehrsschulen mit etwa 2.700 Schülern jährlich. Die Kosten belaufen sich auf 39.600 Euro für Sachmittel und 175.149 Euro für Personal.
In Neukölln besuchen jedes Jahr etwa 25.500 Personen die beiden Jugendverkehrsschulen. Rund 2.600 Drittklässler legten dort ihre Radfahrprüfung ab. Der Bezirk zahlt jährlich ca. 72.000 Euro an Sach- und Personalkosten, zuzüglich Infrastrukturaufwand.
Friedrichshain-Kreuzberg betreibt drei Standorte, an denen 2024 rund 4.999 und 2025 exakt 5.016 Schülerinnen und Schüler teilnahmen. Der Verein Kidbike e.V. erhielt dafür 196.000 Euro im Jahr 2025.
Diese Zahlen verdeutlichen, dass die Bezirke unterschiedlich stark in die Verkehrserziehung investieren – sowohl finanziell als auch organisatorisch.
Bedeutung der Verkehrserziehung für Berliner Kinder
Der Radfahrunterricht bleibt ein zentraler Bestandteil der Verkehrserziehung in der Hauptstadt. Kinder der dritten und vierten Klassen üben dort Verkehrsregeln, Bremsverhalten und das sichere Fahren im Stadtverkehr.
Eltern wie Michael Mohr kritisieren die Einschränkungen in Steglitz-Zehlendorf scharf, weil sie die Sicherheit der Kinder gefährdet sehen.
Berlin investiert weiterhin in Bildungs- und Freizeitangebote, die Kindern Bewegung und Selbstständigkeit ermöglichen – etwa kulturelle Wochenenden für Familien, wie unter zusehen hier. Die Wiedereröffnung der Jugendverkehrsschulen im Februar 2026 könnte somit ein wichtiges Signal sein, dass Verkehrssicherheit für Kinder auch künftig Priorität hat.
Quelle: BZ Die Stimme Berlins
FAQ
Warum sind die Jugendverkehrsschulen in Steglitz-Zehlendorf nachmittags geschlossen?
Der Nachmittagsbetrieb wurde wegen Personalmangels vorübergehend eingestellt. Das Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf plant, den Betrieb ab Februar 2026 wieder aufzunehmen.
Bleibt der Unterricht am Vormittag für Schulen bestehen?
Ja, laut Bezirksamt bleibt der Vormittagsbetrieb für Schulklassen weiterhin bestehen. Nur der freiwillige Nachmittagsunterricht ist betroffen.
Wie viele Besucher nutzten die Verkehrsschulen in Steglitz-Zehlendorf 2025?
Im Jahr 2025 wurden die beiden Standorte von insgesamt 22.124 Personen besucht, darunter auch Erwachsene, die das Fahrradfahren übten.
Wie hoch ist das Budget des Bezirks für die Jugendverkehrsschulen?
Für das Jahr 2025 sind rund 60.000 Euro im Haushalt des Bezirksamts Steglitz-Zehlendorf eingeplant.
Wie sieht die Situation in anderen Berliner Bezirken aus?
In Bezirken wie Treptow-Köpenick, Lichtenberg, Marzahn-Hellersdorf und Spandau sind die Jugendverkehrsschulen geöffnet. Die Kosten variieren zwischen 25.000 und 248.000 Euro jährlich, abhängig von Standort und Umfang des Angebots.
Wann können Kinder in Steglitz-Zehlendorf wieder am Nachmittag üben?
Das Bezirksamt plant, den Nachmittagsbetrieb an mindestens einem Standort ab Januar 2026 teilweise und ab Februar 2026 vollständig wieder zu ermöglichen.
Wer ist für den Betrieb der Jugendverkehrsschulen verantwortlich?
Die Verantwortung liegt beim Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf, Abteilung Bildung, Kultur und Sport. Ansprechpartnerin ist Mareike Hoeppner.
Wie viele Jugendverkehrsschulen gibt es insgesamt in Berlin?
In Berlin gibt es derzeit insgesamt 25 Jugendverkehrsschulen, verteilt auf verschiedene Bezirke der Stadt.